Omer Ithawi
17 Jahre, Ilmenau

Das Beste ist eigentlich, dass ich mit meinem Vater zusammenarbeiten kann.

Gespräch mit Omer Ithawi

Omer Ithawi hat ein klares Ziel, das motiviert ihn immer aufs Neue

Eigentlich stand für Omer Ithawi schon lange fest, dass er nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Elektriker machen würde. Sein Vater war schon im Irak 8 Jahre als Elektriker tätig gewesen und auch in Thüringen fand er eine Anstellung in diesem Bereich. Omer Ithawi hat also schon von klein auf eine gute Vorstellung entwickeln können, was ein Elektriker so macht.

Auch die Suche nach dem Ausbildungsplatz war eigentlich ein Selbstläufer. Der Betrieb Elektro Schönefeld GmbH & Co. KG in Ilmenau-Unterpörlitz, in dem Herr Ithawis Vater angestellt ist, ist Ausbildungsbetrieb aus Überzeugung und bot ihm ein zweiwöchiges Praktikum zum gegenseitigen Kennenlernen an. Am 01.09.2020 startete er dann offiziell in die Ausbildung zum „Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik“.

Während Omer Ithawi die Ausbildung im Betrieb genießt – „die Kollegen sind echt nett, das passt!“ – ist die Berufsschule doch eine Herausforderung. „In der Schule ist mir Mathematik schon nicht so leichtgefallen, aber ich habe das gut geschafft mit dem Abschluss in der 9. Klasse. Aber jetzt ist es eben echt schwer und es wird im 2. und 3. Lehrjahr noch schwieriger.“

Mit ILA-bS rückt der Traumberuf wieder in greifbare Nähe

Es war Herr Ithawis Mutter, die reagierte und Frau Dr. Schulze vom LAT-Projekt ILA-bS (Inklusives Lernen und Arbeiten durch berufsbezogene Sprachförderung zur betrieblichen Integration) in Arnstadt ansprach, ob er trotz seines jungen Alters Unterstützung im Projekt erhalten könne – er ist 17 Jahre alt, die anderen Projektteilnehmer*innen sind oft Mitte/Ende 20 oder älter. Es hat geklappt. Im Februar 2021 starteten die gemeinsamen Online-Sitzungen während der Ausbildungsphasen in der Berufsschule. Mit Frau Dr. Schulze fand er schnell eine gemeinsame Basis – fachlich und pädagogisch. „Ich erzähle ihr, wo meine Schwierigkeiten liegen und sie sucht mir Übungen heraus und hilft mir, wenn ich die Rechenwege nicht alleine hinbekomme. Sie macht das echt gut. Sie kann das. Sie ist da einfach perfekt.“

Auch wenn es von außen gesehen so einfach klingen mag. Für Omer Ithawi, der mit einem anderen Unterstützungsangebot nicht die gleichen Erfolge erzielen und sich nur schwer motivieren konnte, ist es das nicht.

Aber eigentlich ist er sowieso lieber in der Firma. „Ich bohre gerne – am Anfang mochte ich das nicht, das macht so viel Dreck, jetzt habe ich mich daran gewöhnt – und Kabel ziehen finde ich cool. Aber das Beste ist eigentlich, dass ich mit meinem Vater zusammenarbeiten kann.“ Und so hofft er, dass er für die Berufsschule weiter Unterstützung vom Projekt ILA-bS bekommt und damit auch den schulischen Teil der Ausbildung gut schafft.

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Gespräch mit Frau Dr. Heike Schulze vom Projekt ILA-bS

Durch das Projekt ILA-bS kann Ausbildung fortgeführt werden

Omer Ithawi kommt im Februar 2021 in das Projekt ILA-bS – ein gutes halbes Jahr nach dem Start seiner Ausbildung zum Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik in Ilmenau. „Er hatte Schwierigkeiten mit den Anforderungen in der Berufsschule - vor allem im Fach Mathematik. Das hat auch dem Ausbildungsbetrieb Sorgen bereitet, zumal Herr Ithawi noch sehr jung ist. Letztendlich stand eben die Frage im Raum, wie die Ausbildung zu schaffen ist“, erzählt Frau Dr. Heike Schulze vom Projekt ILA-bS beim Arnstädter Bildungswerk e.V.. 

In den ersten Gesprächen zwischen Frau Schulze und Omer Ithawi erarbeiteten sie zunächst gemeinsam, welche Probleme bestehen, welche Unterstützung der junge Azubi braucht und welche persönlichen Ziele er sich gesetzt hat. Frau Schulze war auch im Austausch mit dem Ausbildungsbetrieb. „Für die gemeinsame Arbeit mit Omer war für mich auch wichtig zu erfahren, welche Schwerpunkte der Betrieb für eine Förderung bzw. Unterstützung sieht. Gleichzeitig erfährt der Betrieb, dass der Auszubildende Initiative zeigt, indem er sich Hilfe sucht. Die Botschaft ist also, dass er die Ausbildung wirklich schaffen will.“

Passgenaue Beratung und Betreuung

Die gemeinsamen Sitzungen finden online und zumeist am späten Nachmittag statt, wenn Herr Ithawi nach den Unterrichtsblöcken der Berufsschule nach Hause kommt. Frau Schulze erläutert: „Omer schickt mir im Vorfeld die Fragen und Aufgaben, die er nicht versteht und daran arbeiten wir dann.“ Aber in der gemeinsamen Arbeit passiert natürlich viel mehr: „Welche Zwischenziele setze ich mir, um dran zu bleiben und mich beständig zu motivieren. Was ist wichtig in der Ausbildung? Warum darf ich manche Arbeiten erst im zweiten Lehrjahr machen? Oder auch: Was erwartet der Betrieb? Da gebe ich schon mal Tipps, wie das Berichtsheft am besten zu führen ist. Oder wir werten bestimmte Situationen aus.“

Frau Schulze freut sich, dass Omer Ithawi nun auf einem guten Weg ist und die Weiterführung der Ausbildung nicht mehr infrage steht. Das ist es schließlich, was auch in der Begleitung anderer Teilnehmer*innen im Projekt immer das Ziel ist: Herausforderungen zu erkennen, individuelle Ziele zu entwickeln und mit passgenauen Maßnahmen Schritt für Schritt den eigenen Weg der beruflichen Integration zu gehen.

Für Herrn Ithawi wünscht sie sich, dass er die Ziele, die er sich in seinem Leben gesetzt hat, erreicht. Und dass ihn diese Ziele immer motivieren und antreiben, die Ausbildung zu schaffen.

(Juni 2021)

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